Andreas Schiltknecht, Ringgenberg

 

Sonntagsgedanken

Unsere Kirche (ich meine dadurch auch unser Glaube) lebt von der Tradition des Sonntages. Etwas moderner ausgedrückt: Sie lebt vom „Freitag“, vom freien Tag, von dem Tag, an dem wir frei sind, frei zu tun, was uns gelüstet …!


Stimmt das?


Natürlich ist eine Antwort davon abhängig, wie man Kirche, Glaube, Sonntag definiert. So ist unsere Kirche auch davon abhängig, wie viele Mitglieder ihr noch angehören. Wer noch bereit ist Steuern zu bezahlen. So basiert unser Glaube auf Erfahrungen, auf einer bestimmten Theologie, einem Gottesbild… Und so werden Sonn- oder freie Tage in unserer modernen Arbeitswelt, je nach Anstellung, immer neu festgelegt.


Dennoch behaupte ich noch einmal, die Kirche, ihr Glaube und Handeln ist abhängig von einem grossen Mass an Freiheit.


Freiheit!


Freiheit zu was?


Wir Schwestern und Brüder sind zur Freiheit berufen, zur Freiheit der „Kinder Gottes“ (Röm 8, 21; Gal 5, 13). Wir suchen, wir nehmen uns in unserer freien Zeit die Freiheit, die „andere“ Dimension unseres Lebens („Gottes“ Dimension) kennen zu lernen, zu pflegen, aufzudecken. Es gibt dafür ein altes, neu entdecktes, modernes Wort: Spiritualität. Vom Suchen und Finden, von der Neuentdeckung unserer Spiritualität hängt das Sein unserer Kirche, unseres Glaubens ab.


So ziehen wir uns in unserer freien Zeit wie etwas zurück, lösen uns vom Alltag, suchen die Ruhe, um aus der Stille die Beziehungen zu unseren Nächsten, zu unserer Um- und Mitwelt neu zu sehen, um daraus ganz neu, in aller Freiheit, für Gottes Welt einzustehen, die ja nicht eine andere ist, als die Welt in der wir leben.


Dies wird immer schwieriger.


Unsere Eventkultur (die auch in der Kirche Einzug hält), diese immer grösseren Anlässe zur Vermarktung von Spass und Zerstreuung sind gerade das Gegenteil dessen, was wir nötig hätten, um zur Ruhe zu kommen. Ein Fliegerrennen der Red Bull Air Race World Series soll auf dem Bödeli stattfinden! Unsere Mobilität feiert gerade in einem solchen „Monsteranlass“ sich selbst, „goldenes Kalb“ einer Konsumgesellschaft, die sich ihrer eigenen Lebensgrundlagen beraubt.


Nein.


Längst wissen besonnenere Kreise, auch Hoteliers und „sanfte“ Touristiker hier in der Gegend, wie nötig Ruhe ist.  Längst wissen wir alle, wie „Not wendend“ es ist, in aller Freiheit und freien Zeit sich zurückziehen zu können, um an den Beziehungen zu knüpfen, die unser Leben erhalten, statt es zu zerstreuen.


Kirche, unser Glaube lebt aus diesen Traditionen, und ist aufgerufen immer wieder für ihre Erhaltung aufzustehen, in aller Freiheit, die sie hat.


Andreas Schiltknecht-von Steiger, Pfarrer, Ringgenberg

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