Aktuelles zum Red Bull Air Race (Stand 07.08.07)

"Unseren Urlaubsort stellen wir uns anders vor"

In einem Leserbrief an den "Berner Oberländer" beklagt sich ein Tourist aus Deutschland über die Beeinträchtigung seines Interlakner Urlaubs durch das Red Bull Air Race. Sein Erlebnisbericht gipfelt im Satz: "Freitag bis Sonntag sind wir aus dem Grossraum Interlaken geflüchtet." (BO vom 02.08.07, Seite 15)

VgFE ist gegen ein zweites Red Bull Air Race in Interlaken

Der Verein gegen Fluglärm und -emissionen VgFE hat gegen ein zweites Red Bull Air Race in Interlaken Stellung genommen und wirft den Behörden in diesem Zusammenhang Salamitaktik vor. Er fordert Bewilligungsbehörden und Tourismusverantwortliche auf, genau zu analysieren, welche Anlässe bei der lokalen Bevölkerung erwünscht seien und mitgetragen würden. Die Bevölkerung müsse zudem künftig in geeigneter Form in die Entscheidungen mit einbezogen werden. (Berner Oberländer vom 18.07.07, Seite 18)

Durchatmen - nachdenken - optimieren

Nach dem Streit über das Red Bull Air Race

Durchatmen! Das Red Bull Air Race Interlaken ist vorbei, und der Streit darüber auch schon fast. Und je nach Standpunkt war der Anlass grossartig oder unerträglich oder etwas dazwischen.

Was Flugplatzinfos betrifft, so bedanken sich die an der Protestkampagne beteiligten Personen bei der Gegenseite für die in der Regel faire Behandlung während der harten Auseinandersetzung. Obwohl die Gruppe von vielen als Spielverderber wahrgenommen wurde, überschritten die Anpöbelungen und Anfeindungen auf der Strasse, am Telefon und in der Mailbox nie ein verkraftbares Mass.

Für alle kommt jetzt die Zeit des Nachdenkens, später die Zeit des Optimierens. Was dies für Behörden und Veranstalter konkret bedeutet, wissen wir nicht. Die ersten rückblickenden, z.T. polemischen Stellungnahmen massgebender Leute in den hiesigen Medien lassen leider wenig Hoffnung aufkommen. Und nach den bisherigen Erfahrungen mit den Anlässen auf dem Flugplatz Interlaken ist zu befürchten, dass die Oeffentlichkeit auch weiterhin vom Prozess des Nachdenkens und des Optimierens ausgeschlossen bleibt, bis die Grossanlässe für das folgende Jahr beschlossen und bewilligt sind. Wer diese Anlässe kritisiert, vielleicht sogar ihre Daseinsberechtigung in Frage stellt, dem wird dann halt wie bisher die Rolle des Miesmachers, Neinsagers, Verhinderers und Ignoranten zugewiesen.

Dabei drängt sich doch allmählich eine andere Sicht- und Handlungsweise auf: Die Protestkampagne, die Flugplatzinfos durchführt - sie dauert noch bis Ende Juli -, hat nämlich nur sichtbar gemacht, was man längst hätte wissen können, wenn man es hätte wissen wollen: Der Unmut auf dem Bödeli im Zusammenhang mit dem Geschehen auf dem Flugplatz nimmt zu; und die Verantwortlichen wären gut beraten, wenn sie das jetzt zur Kenntnis nähmen, statt die Kritik am Air Race als scheinheilig zu verunglimpfen. Das Air Race war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte; aber das Fass war längst voll. Obwohl Flugplatzinfos seit November 2005 unablässig auf diese Problematik hingewiesen hat, scheint sie nun viele zu überraschen. Man fragt sich bloss, warum.

Auch Flugplatzinfos braucht jetzt Zeit zum Nachdenken und Optimieren. Anfang August, nach Abschluss der Protestkampagne, wird das offizielle Ergebnis allen interessierten Personen und Institutionen mitgeteilt. Dann macht die Website Ferien und wird bis Mitte Oktober nicht aufdatiert. Eingehende Mails werden etwa einmal wöchentlich bearbeitet. Für die Zeit danach besteht bei Sympathisantinnen und Sympathisanten die Absicht, zur Unterstützung und Weiterführung der von Flugplatzinfos geleisteten Arbeit eine Arbeitsgruppe oder einen Verein zu gründen.

Die Gruppe rund um Flugplatzinfos möchte dazu beitragen, dass Interlaken sich ein Image als Destination für ressourcenschonenden, zukunfts- und umweltverträglichen Tourismus aufbauen kann, und freut sich schon jetzt auf eine gute Zusammenarbeit mit den zuständigen Veranstaltern und Behörden und mit den Medien.

Warum Zürich das Air Race nicht wollte

Flugplatzinfos hat sich beim Präsidialdepartement der Stadt Zürich über die Gründe erkundigt, weshalb die Zürcher Stadtregierung das Red Bull Air Race nicht wollte. Hier die Antwort des Leiters Kommunikation:

"Die ablehnende Haltung des Stadtrats der Stadt Zürich gründete auf Überlegungen zur Belastung der Umwelt durch den Event. Die Stadt Zürich tritt für eine nachhaltige Entwicklung ein und setzt in der Legislatur 2006 - 2010 einen Schwerpunkt auf die Umwelt-, Energie- und Klmaschutzpolitik.

Eine Durchführung des Red Bull Air Race und die damit verbundenen Umweltbelastungen, Lärmemissionen und das erhöhte Publikumsaufkommen hätten dem widersprochen. Rund um das Seebecken finden in Zürich eine ganze Reihe von Grossveranstaltungen statt, die immer auch eine Belastung für die Bevölkerung und für die Umwelt mit sich bringen. Der Stadtrat wiegt daher den Nutzen und die Belastungen durch diese Veranstaltungen sehr genau ab und bewilligt bei weitem nicht jeden Anlass."

Zusicherungen oder warme Luft?

Einem Artikel der Jungfrau-Zeitung vom 10.07.07, Seite 27, ist zu entnehmen, dass das Verkehrskonzept des Red Bull Air Race insofern verändert wird, als Tickets jetzt auch an Automobilisten verkauft werden, die zu zweit anreisen. Der Direktor von Interlaken Tourismus hatte in der Sendung "10 vor 10" vom 26. April zugesichert, dass Tickets nur an zu viert anreisende Automobilisten verkauft würden. So sah es auch das Verkehrskonzept vor. "Die Verkaufszahlen scheinen nun aber Priorität zu haben", wie die Jungfrau-Zeitung schreibt.

In der gleichen "10 vor 10"-Sendung hatte der Tourismus- Direktor klar gesagt, der Anlass sei einmalig. So hat er sich später auch gegenüber dem Berner Oberländer geäussert (BO vom 07.06.07, Seite 23). Die Jungfrau-Zeitung weist nun darauf hin, dass Interlaken auf der Website des Air Race als "neuer und fixer Bestandteil" des Red Bull Air Race Kalenders präsentiert wird.

(Diese Angabe ist auf der Website des Air Race nicht gelöscht worden, wie hier am 11. Juli irrtümlich behauptet wurde. Flugplatzinfos bittet seine BesucherInnen für diese Falschmeldung um Entschuldigung.)

Neue Umfrage der Jungfrau-Zeitung

Die Umfrage der Jungfrau-Zeitung vom 2. Juli hat Folgendes ergeben:

Ob Air Race oder Trucker-Festival: Grossanlässe gehören nicht in diese Region:

221 Stimmen: (48%)

Nur Luftfahrt-Anlässe sind mir ein Dorn im Auge, das Truckerfestival ist jedoch in Ordnung:

27 Stimmen (6%)

Grossanlässe auf dem Flugplatz sind touristisch interessant. Nur immer her damit:

203 Stimmen (45%)

Ich weiss nicht:

4 Stimmen (1%)

 

Luftraum zeitweise gesperrt

Während des Red Bull Air Race ist der Luftraum über Interlaken vom 12. bis zum 15. Juli zeitweise gesperrt. (BO vom 06.07.07, Seite 21)

Red Bull Air Race schürt Unmut auch gegen andere Grossanlässe

Die Jungfrau-Zeitung hat am 3. Juli die Frage aufgeworfen, weshalb die GegnerInnen des Red Bull Air Race nicht auch andere Grossanlässe auf dem Flugplatz Interlaken kritisieren. Was Flugplatzinfos betrifft, so ist die Antwort auf diese Frage in einem Leserbrief an die Jungfrau-Zeitung vom 14. Juni nachzulesen. Auf eine Kurzformel gebracht: Mit dem Air Race überschreiten Veranstalter und bewilligende Behörden eine Akzeptanzschwelle. Und die Leute haben das Recht, zu sagen, dass sie damit nicht einverstanden sind.

Indessen machen jetzt einige Protestierende in ihren Zuschriften an Flugplatzinfos auch gleich ihrem Ärger über die anderen Grossanlässe Luft, wie beispielsweise das folgende Mail zeigt: "Wir sind konsequent gegen solche Veranstaltungen auf dem Flugplatz, inkl. Trucker und Greenfield. Lärm und Gestank vertreiben letztlich unsere Touristen und wir Einwohner leiden ebenfalls."

(Flugplatzinfos hat allen Protestierenden zugesichert, dass ihre Namen nicht bekanntgegeben werden. Das gilt auch für den Verfasser dieses Mails.)

Kernstelle aus einem Protestmail

"Beobachter/Interessierte von ausserhalb der Region werden die Gegend so wahrnehmen (wenn überhaupt), wie sie eben nicht ist - Positionierung von Interlaken als Outdoor-Zentrum hin oder her - das ist etwas deutlich anderes. Mit der Veranstaltung wird ein ganz anderes als das eigentliche Zielpublikum der Jungfrau-Region angesprochen."

(Flugplatzinfos hat allen Protestierenden zugesichert, dass ihre Namen nicht bekanntgegeben werden. Das gilt auch für den Verfasser dieses Mails.)

Mail aus Zürich

"Erst kürzlich habe ich - leider genau am Wochenende des Air Races - ein Hotel gebucht auf der kleinen Scheidegg. Wir wollten zu sechst eigentlich zwei erholsame, ruhige und entspannende Tage in den Bergen des Berner Oberlandes erleben. Nun scheint sowohl die Hinfahrt (wir sind Zug-Reisende) als ev. auch der Aufenthalt selber zum lärmigen, nervenaufreibenden und chaotischen Erlebnis zu werden.

Es ist kaum mehr möglich, irgendwo in diesem Land die Ruhe und Natur zu geniessen, als Bewohner der Stadt - wo auch immer mehr Aktionen stattfinden - wäre man umso mehr auf Entspannung zumindest am Wochenende angewiesen.

Ich finde das Air Race und dessen kurzfristige Ankündigung eine absolute "Sauerei" [...] Über eine Absage würde ich mich riesig freuen, es gibt sinnvollere Attraktionen und Erlebnisse!"

(Flugplatzinfos hat allen Protestierenden zugesichert, dass ihre Namen nicht bekanntgegeben werden. Das gilt auch für den Verfasser dieses Mails.)

Kein Land der Mattener Burger für Parkplätze

Die Burgergemeinde Matten will für das Red Bull Air Race kein Land für Parkplätze zur Verfügung stellen. Das kann man einem Artikel des BO vom 18.06.07 zu diesem Thema entnehmen.

VCS ist befremdet

Mit "grossem Befremden" hat die Regionalgruppe Thun-Oberland des VCS zur Kenntnis genommen, dass das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) dem Red Bull Air Race die Bewilligung erteilt hat, ohne auf die umweltrelevanten Aspekte einzugehen. (Der Bund, 16.06.07)

Umfrage der Jungfrau-Zeitung zum Protest gegen das Red Bull Air Race

Die Jungfrau-Zeitung hat eine nicht repräsentative Umfrage über die Proteste gegen das Red Bull Air Race durchgeführt. Hier die Resultate:

Protest ist angebracht, sonst wird der Flugplatz ständig für solche Events missbraucht:

323 Stimmen (67%)

Der Protest ist eine reine Trotzreaktion und schadet der Sache nur:

40 Stimmen (8%)

Der Protest ist unsinnig. Das Red Bull Air Race ist eine gute Sache:

114 Stimmen (24%)

Ich weiss nicht:

6 Stimmen (1%)

Flugplatzinfos hat zu dieser Umfrage eine Stellungnahme verfasst und der Jungfrau-Zeitung als Leserbrief geschickt.

30'000 mit der Bahn, 70'000 mit Auto und Motorrad, 40'000 mit Langsamverkehr

An der Informationsveranstaltung vom 14. Juni im Kursaal Interlaken wurden die Zahlen bekanntgegeben, mit welchen die Veranstalter für An- und Abreise der BesucherInnen am Red Bull Air Race rechnen:

Samstag, 14. Juli

Sonntag, 15. Juli

Total beide Tage

National SBB

10'000

20'000

30'000

National Auto und Motorrad

10'000

60'000

70'000

Lokal Langsamverkehr

20'000

20'000

40'000

Total

40'000

100'000

140'000

Satireseite vom Netz genommen

Flugplatzinfos dankt allen Personen, die mögliche Beiträge für die Satireseite einsenden. Vieles ist lustig; vieles kann die Gegenseite aber auch unnötig verärgern. Im Interesse einer sachlichen Auseinandersetzung rund um das Red Bull Air Race nimmt Flugplatzinfos die gut besuchte Satireseite vorläufig vom Netz. (14.06.07)

Dank und Bitte an alle Protestierenden

Flugplatzinfos dankt allen herzlich, die schon protestiert haben. Ihr Mitmachen ist hoch willkommen und nützlich. Die Zahl der Protestierenden wächst. Deshalb kann Flugplatzinfos nicht mehr alle Post und alle Mails persönlich beantworten. Bitte entschuldigen Sie! Und machen Sie auch weiterhin Freundinnen, Freunde und Bekannte auf die Protestmöglichkeit aufmerksam. Die Aktion ist erst richtig angelaufen und dauert bis zum 31.07.07.

Mit bestem Dank und herzlichen Grüssen

Flugplatzinfos

"Vorerst einmalig"

"Flugplatzinfos" hat die Frage am 5. Mai gestellt (hier): Was heisst, in Bezug auf den Red Bull Air Race, einmalig? Für Herrn Otz von Interlaken Tourismus ist der Begriff dehnbar. Zitat aus dem Berner Oberländer vom 07.06.07, Seite 23: "Gemäss Otz ist der Anlass einmalig. Er kann sich jedoch vorstellen, dass der Event alle drei bis vier Jahre in Interlaken stattfindet." Das klingt anders als vor einigen Monaten und zeigt, dass Widerstand gegenüber dem Anlass unbedingt nötig und sinnvoll ist.

Formel 1 der Lüfte - Kommt nachher die gewöhnliche Formel 1?

Nachdem der Nationalrat am 5. Juni das Verbot für Formel-1-Rennen in der Schweiz aufgehoben hat und nachdem die zuständigen Behörden die "Formel 1 der Lüfte" auf dem Flugplatz Interlaken offenbar ohne Zögern bewilligt haben, darf man auf die Fortsetzung gespannt sein. Haben wir auf dem Flugplatzgelände bald ein Formel-1-Rennen, einmalig und CO2-neutral? Zu verdienen gäbe es da bestimmt etwas.

Wortlaut der Medienmitteilung des BAZL vom 04.06.07

Bern, 04.06.2007 - Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hat die Flugveranstaltung vom 15. Juli 2007 in Interlaken (Red Bull Air Race) bewilligt. Die Sicherheitsauflagen des Amtes für Flugveranstaltungen sind erfüllt und das Einverständnis der lokalen Behörden liegt vor. Auf Wunsch der Bundesbehörden haben sich die Organisatoren verpflichtet, die Veranstaltung CO2-neutral durchzuführen.

Voraussetzung für eine Bewilligung durch das BAZL ist, dass Flugveranstaltungen sicher durchgeführt werden können. Insbesondere die Sicherheit der Zuschauer muss jederzeit gewährleistet werden. Auch haben die Veranstalter zu gewährleisten, dass die Piloten über die notwendigen Lizenzen und die eingesetzten Maschinen über die erforderliche Zulassung verfügen.

Die Flugveranstaltung, welche Red Bull am 15. Juli 2007 in Interlaken plant, erfüllt die Sicherheitsanforderungen des BAZL. Dies hat die detaillierte Prüfung des Gesuchsdossiers ergeben. Insbesondere die Abstände zwischen den Akrobatik-Flügen und den Zuschauern sind gewährleistet. Auch finden keine Flugmanöver über den Köpfen der Zuschauer statt. Überdies liegt die Einwilligung der kantonalen und lokalen Behörden für die Durchführung des Anlasses vor. Deshalb hat das BAZL der Veranstaltung die notwendige Bewilligung erteilt. Inspektoren des Amtes werden, wie bei solchen Veranstaltung üblich, über die Einhaltung der Sicherheits-Vorschriften wachen.

Auf Wunsch der Bundesbehörden hat sich Red Bull verpflichtet, die Veranstaltung umweltschonend durchzuführen. Dazu werden Massnahmen ergriffen, um den Besucherverkehr zu steuern: Das Publikum soll entweder unmotorisiert, mit dem öffentlichen Verkehr oder in Fahrgemeinschaften anreisen. Zudem werden die CO2-Emissionen des Individualverkehrs wie auch der eingesetzten Flugzeuge kompensiert. Das Biotop auf dem Flugplatz Interlaken wird von der Veranstaltung nicht berührt.

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