Entwicklungsschwerpunkt oder strategische Arbeitszone?

Interview mit Stefan Schweizer, Geschäftsführer der Regionalplanung Oberland-Ost

Im Mai 2008 konnte Flugplatzinfos, vertreten durch Ernst Schmitter, dem Geschäftsführer der Regionalplanung Oberland-Ost, Stefan Schweizer, einige Fragen stellen.

Flugplatzinfos: Herr Schweizer, was geschieht planerisch auf dem Flugplatz Interlaken nach der kürzlich erfolgten Inkraftsetzung des Nutzungs- und Infrastrukturrichtplans NIRP?


Stefan Schweizer: Der NIRP gibt einen Planungsrahmen, der jetzt mit Inhalten gefüllt werden kann. Eine Projektgruppe [Zusammensetzung hier] hat sich kürzlich mit verschiedenen Interessenvertretern in einem Workshop mit der Frage befasst, ob das Flugplatzgelände teilweise zu einem Entwicklungsschwerpunkt ESP oder zu einer strategischen Arbeitszone SAZ gemacht werden soll. Die eine oder die andere Variante wird vermutlich weiter verfolgt. Aber die Frage, welche Variante gewählt wird, ist noch nicht entschieden und wird in weiteren Sitzungen der Projektgruppe studiert.


Flugplatzinfos: Können Sie die beiden Begriffe kurz erläutern?


Stefan Schweizer: Beim Entwicklungsschwerpunkt ESP geht es um eine aktive Planung. Man legt fest, was konkret realisiert werden soll. Eine strategische Arbeitszone SAZ ist ein planungsrechtlich gesichertes, einfach bebaubares und gut erschliessbares Areal von mindestens 20-30 ha Ausdehnung für die Ansiedlung von Grossfirmen. Es kann nicht für eine kommunale Gewerbezone beansprucht werden. In beiden Fällen sind bei Bedarf kurzfristige Umzonungen möglich.


Flugplatzinfos: Verstehe ich Sie richtig? Wenn die eine oder die andere Lösung gewählt ist, können Zonen, die jetzt im NIRP festgelegt sind, ganz oder teilweise umgezont werden?


Stefan Schweizer: Ja. Aber solange kein ESP und keine SAZ beschlossen und genehmigt ist, gilt der NIRP in seiner heutigen Form. Das ist insbesondere von Bedeutung für die Ortsplanrevisionen der Gemeinden.


Flugplatzinfos: Wann ist der Entscheid über ESP oder SAZ zu erwarten?
Stefan Schweizer: Voraussichtlich auf Ende 2008 oder Anfang 2009.


Flugplatzinfos: Und wie geht es nachher weiter?


Stefan Schweizer: Wenn der Entscheid gefällt ist, kommt die planerische Detailarbeit. Dann muss der neue Plan von den drei Flugplatzgemeinden genehmigt und von der Regionalkonferenz beschlossen werden. Anschliessend wird er durch den Kanton genehmigt. Erst dann tritt er in Kraft.


Flugplatzinfos: Wie steht es mit dem Hochwasserschutz in der gegenwärtigen Planungsarbeit?


Stefan Schweizer: Er wird, wie schon bei der Ausarbeitung des NIRP, laufend in die Planung eingebaut.


Flugplatzinfos: Der gegenwärtige Eventbetrieb auf dem Flugplatz Interlaken wickelt sich seit fünfzehn Jahren ohne Reglement ab, nicht zur Freude aller. Nachdem der NIRP in Bezug auf die Nutzung Klarheit geschaffen hat, darf man jetzt endlich ein Reglement für den Eventbetrieb erwarten?


Stefan Schweizer: Der NIRP scheidet eine Eventzone aus. Der Schaffung eines entsprechenden Reglements steht damit von der planerischen Seite her nichts mehr im Wege. Dies ist übrigens im NIRP auch als Massnahme gefordert, welche die Gemeinden und das VBS nun gemeinsam angehen werden.


Flugplatzinfos: Vor einigen Jahren war klar, dass das VBS das Gelände verkaufen wollte. Entsprechend interessant war die Frage der Vorkaufsrechte. Was können Sie heute dazu sagen?


Stefan Schweizer: Das VBS will im Augenblick nicht verkaufen. Es unterstützt die Planung, die gegenwärtig läuft. Was unter allen Umständen vermieden werden soll, ist eine Zerstückelung des Geländes in viele kleine Parzellen.


Flugplatzinfos: Vielen Dank für das Gespräch.

                                                          11. Juni 2008


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