„Eine engere Zusammenarbeit ist erwünscht.“

Mitte April hatte Ernst Schmitter von Flugplatzinfos Gelegenheit, mit dem Regierungsstatthalter von Interlaken, Herrn Walter Dietrich, ein Gespräch zu führen.

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Herr Dietrich, wie würden Sie die gegenwärtige Situation auf dem Flugplatz Interlaken charakterisieren, insbesondere was die Veranstaltungen betrifft?

Das Flugplatzgelände ist ein wunderschönes Gebiet, unverbaut und nach wie vor für die Landwirtschaft von grosser Bedeutung. Es bietet für Veranstaltungen eine gute Infrastruktur. Das ist wichtig für einen Platz in der „Festhütte Schweiz“. Wir haben zusätzlich den Vorteil, dass ein ansehnlicher Teil des Geländes asphaltiert ist. Das heisst, dass das Kulturland bei Veranstaltungen besser geschont werden kann, als dies ohne Pisten möglich wäre.

Gilt die Regel immer noch, dass der Regierungsstatthalter nur an einem Bewilligungsverfahren beteiligt ist, wenn „gewirtet“ wird und daher das Gastgewerbegesetz beachtet werden muss?

Ja.

Stimmt die Vermutung, dass Ihre Stellungnahmen auch ausserhalb dieses Rahmens beachtet werden? Ihr Amt erlaubt Ihnen ja eine „Gesamtschau der Dinge“, die anderen Entscheidungsträgern vielleicht weniger leicht möglich ist.

Ich sehe mich manchmal als Vermittler, z.B. im Falle des Hornusserfests vor eineinhalb Jahren. Ausserdem hat meine Haltung Signalwirkung. In einer Landwirtschaftszone darf man nicht alles machen. Ich sage es mal so: Man darf sich auf dem Flugplatz nicht „beliebig zonenwidrig“ verhalten.    

Der Schuh drückt unsere Arbeitsgruppe an einer bestimmten Stelle: Wir haben konkrete Vorschläge für eine umweltschonende Gestaltung des Eventbetriebs gemacht. Davon wären zwei ohne wirtschaftlichen Schaden kurzfristig umsetzbar, nämlich die Abschaffung des Autoslaloms und die Abschaffung des Oldbiker-Töffträffs. Wir haben in vier Interviews auf diesen Vorschlägen insistiert und kein einziges sachliches Argument dagegen zu hören bekommen. Dennoch werden die beiden Veranstaltungen auch 2009 wieder durchgeführt. Dabei sind sie umweltschädigend und bringen wirtschaftlich nichts. Und ihre Abschaffung ist unseres Wissens auch für die folgenden Jahre immer noch nicht beschlossen worden. Jetzt endlich meine Frage: Was sagen Sie dazu?

Wenn die Gemeinden eine Veranstaltung wollen, halte ich meine Meinung zurück. Im Falle des ACS haben wir schon reagiert: Wir haben den Verantwortlichen signalisiert, dass der Autoslalom 2009 noch stattfinden kann, später vielleicht nicht mehr. Und der Anlass ist für dieses Jahr aus der Hochsaison auf Anfang Mai vorverschoben worden.

Was die Oldbiker betrifft, so waren sie für uns bisher kein Thema.

Unsere Arbeitsgruppe setzt sich dafür ein, dass auch dieses Treffen abgeschafft wird. Zwar ist es noch klein. Aber wie klein hat seinerzeit das Truckerfestival angefangen! Wir haben da etwas gelernt und wehren uns gegen den Oldbiker-Töffträff, solange das noch möglich ist.

Ich sehe die Gemeindevertreter ab und zu und kann das bei nächster Gelegenheit zum Thema machen.

Was sagen Sie zum Fahrtraining, das in diesen Tagen wieder auf dem Flugplatz durchgeführt wird?

Da ich bisher nichts bewilligen musste, habe ich mich nicht damit befasst.

Es ist ein Kurs für Leute, die gern schnell fahren, und wird ausschliesslich von Rennfahrern geleitet. Der Unternehmer wirbt auf seiner Website mit dem Ausdruck „Autofahren im Grenzbereich“.

Wenn die Kurse verkappte Rennfahrerkurse wären, so wäre das ein Missbrauch der Flugplatzanlage, auch wenn es volkswirtschaftlich etwas bringen könnte. Ich bin gegen jede sinnlose Fahrerei.

Möchten Sie sich weiter zur Frage der umweltschonenden Nutzung des Flugplatzes oder zur Arbeit von Flugplatzinfos äussern, ohne dass ich Ihnen eine entsprechende Frage gestellt habe?

Für mich ist eine engere Zusammenarbeit zwischen Ihrer Gruppe und unserem Amt erwünscht. Ich werde Ihnen in Zukunft Kopien aller von uns erteilten Bewilligungen schicken. Wenn Sie etwas gegen bestimmte Veranstaltungen unternehmen wollen, bin ich Ihnen immer für möglichst langfristiges, berechenbares Handeln dankbar.

Wir bemühen wir uns um Fairness und Berechenbarkeit. Zu kurzfristigem Handeln waren wir einzig beim Red Bull Air Race gezwungen, aber nicht nur wir! Übrigens haben wir noch nie eine Forderung gestellt. Aber natürlich vertreten wir unsere Meinung klar.

Schreiben Sie uns gezielt an, wenn Sie etwas erreichen wollen.

Das werden wir tun. Herzlichen Dank für dieses Gespräch!

21.04.09

 

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