Die Wertschöpfung des ACS-Autoslaloms ist gleich Null, der Lärm untragbar

Interview mit dem Gemeindepräsidenten von Bönigen, Hans Nyffenegger

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Im Dezember 2008 hatte Ernst Schmitter von Flugplatzinfos Gelegenheit zu einem Gespräch mit Hans Nyffenegger, dem Gemeindepräsidenten von Bönigen.

Herr Nyffenegger, Sie kennen die Anliegen von Flugplatzinfos und wissen, dass es uns vor allem um eine umweltfreundliche Nutzung des Flugplatzgeländes geht. Wie zufrieden sind Sie mit der gegenwärtigen Situation?

Ich bin nicht unzufrieden. Aber wir stellen fest, dass es bei vielen Events Reklamationen gibt, und zwar nicht bei allen Veranstaltungen aus dem gleichen Quartier. In der Regel ist der Lärm das Problem. Der hält sich aber einigermassen in zumutbaren Grenzen. Es gibt nur eine Veranstaltung, die klar unzumutbar geworden ist: Das ist der ACS-Autoslalom. Der ist nicht mehr tragbar.

Ein neues Problem bei Veranstaltungen, die sich ökologisch bestens verantworten liessen, ist übrigens in letzter Zeit die Haltung einiger Landwirte, die nicht mitmachen wollen. Ich spreche natürlich von den Auseinandersetzungen rund ums Hornusserfest 2012. In Bönigen verspüren wir eine gewisse Genugtuung, weil unsere Landwirte sehr entgegenkommend sind.

Ein Reglement für die Veranstaltungen fehlt immer noch. Haben Sie dennoch gewisse Kriterien, wenn Sie zu einem Event Stellung nehmen müssen?

Für den Gemeinderat von Bönigen ist das wichtigste Kriterium die Wertschöpfung in der Region. Erfreulicherweise berücksichtigen die Veranstalter in der Regel das ansässige Gewerbe. Leider wird die Firma Rugenbräu gegenüber auswärtigen Getränkelieferanten immer noch benachteiligt.

Wie steht es mit der Wertschöpfung beim Autoslalom?

Die ist gleich Null.

Was denken Sie von der Tatsache, dass die grossen Veranstaltungen immer noch wachsen und nächstens aus den Nähten platzen?

Eine Begrenzung der Teilnehmerzahl wird gegenwärtig bei Veranstaltern und bewilligenden Behörden diskutiert.

Würden Sie mit mir die Liste der Bewilligungskriterien durchgehen, die Flugplatzinfos im Februar 2008 als Vorschlag publiziert hat?

Einverstanden.

Erstens: Wie gut lässt sich eine Veranstaltung ökologisch verantworten?

Ich bin mit diesem Kriterium grundsätzlich einverstanden. Schwierigkeiten entstehen auf zwei Ebenen: Erstens bei der praktischen Umsetzung. Man plant z.B., dass ein grosser Teil der Teilnehmenden mit dem ÖV kommt, und stellt dann fest, dass viele doch das Auto vorziehen. Und zweitens ist natürlich die Gewichtung dieses Kriteriums gegenüber den anderen Kriterien entscheidend. Das Truckerfestival ist zugegebenermassen ökologisch nicht einwandfrei. Aber es ist wirtschaftlich zu einem so wichtigen Anlass für die Region geworden, dass wir es nicht opfern dürfen. Das Gleiche gilt meines Erachtens für das Wasserflugzeugtreffen in Bönigen.

Ich nehme das zur Kenntnis. Sie wissen ja, dass das Truckerfestival seinerzeit ohne viel Umstände eingeführt wurde und dann allmählich zu dem Monsteranlass geworden ist, den sich fast niemand mehr zu kritisieren getraut. Weil wir solche Entwicklungen in Zukunft verhindern möchten, sind wir für eine möglichst rasche Abschaffung des Oldbiker-Töffträffs, der 2007 eingeführt wurde. Es soll in fünfzehn Jahren niemand sagen können, dieses Treffen gehöre trotz seiner ökologischen Fragwürdigkeit unverzichtbar zur Region.

Ich verstehe das. Aber ich möchte hier etwas loswerden, was mich im Zusammenhang mit Umweltfragen schon lange ärgert. Es betrifft nicht Ihre Arbeitsgruppe und steht in keinem direkten Zusammenhang mit dem Flugplatz Interlaken.

Bitte.


Ich bin an ökologisch guten Neuentwicklungen sehr interessiert, z.B. an alternativen Energien. Und ich mache seit Jahren immer wieder die gleiche Erfahrung: Industrie, Politik und Wirtschaft bremsen hartnäckig ökologisch sinnvolle Entwicklungen. Deshalb müssen wir uns heute immer noch mit dem Problem des Feinstaubs, des Ozons und des CO2 herumschlagen. Wir hätten viele Umweltprobleme schon lange gelöst, wenn die drei grossen Bremser uns nicht dauernd daran hindern würden. Aber so sind wir in unserer Randregion leider darauf angewiesen, mit den ökologisch zweit- oder drittbesten Lösungen unser Brot zu verdienen. Das war nur eine Klammerbemerkung.

Unser zweites Kriterium: Wie gut passt eine Veranstaltung in die Zeit des fortschreitenden Klimawandels?

Natürlich bin ich mit diesem Kriterium einverstanden. Die Probleme stellen sich auch hier bei der konkreten Umsetzung.

Drittens: Was trägt eine Veranstaltung positiv oder negativ zum Image der Region bei? Wir haben bei Flugplatzinfos den Eindruck, dass die negativen Auswirkungen gewisser Veranstaltungen auf das Image oft unterschätzt werden.

Ich schlage vor, dass solche Image-Fragen für die ganze Region und in einem grösseren Zusammenhang studiert werden. Die Veranstaltungen, über die wir hier diskutieren, tragen zur Attraktivität unserer Region bei. Darauf sind wir angewiesen. Das Problem der Arbeitsplätze in unserer Randregion ist gravierend. Leider ist unser Handlungsspielraum in diesem Bereich viel bescheidener, als Sie vielleicht denken.

Über unser viertes Kriterium, die Wertschöpfung, die eine Veranstaltung der Region bringt, haben Sie schon gesprochen. Sind Sie bereit, mit mir noch unsere vier konkreten Vorschläge durchzugehen?

Natürlich.

Erstens: Unsere Region sollte sich entschlossener als bisher darauf verlegen, Events zu organisieren, die nicht motorenlastig sind.

Ja, klar, einverstanden.

Zweitens: Abschaffung des Autoslaloms.

Einverstanden.

Drittens: Wir schlagen vor, dass man  für das Trucker- und Countryfestival zu einem Zwei- oder Dreijahresrhythmus übergeht, um in der Agenda Platz zu schaffen für ökologisch sinnvollere Veranstaltungen.

Das sehe ich anders. Es besteht nämlich gar keine Konkurrenzsituation zu anderen Veranstaltungen. Das Hornusserfest 2012 ist einzig an der Unnachgiebigkeit einiger weniger Personen gescheitert.

Viertens: Abschaffung des Oldbiker-Töffträffs.

Ich finde es in der Tat problematisch, wenn neue Veranstaltungen eingeführt werden, die man später nur schwer wieder loswerden könnte, weil sie zu Traditionen geworden sind. Diese Frage müssen die bewilligenden Behörden gemeinsam studieren. Die Frage des Oldbiker-Töffträffs muss man in diesem Zusammenhang angehen.

Vielen Dank für dieses Gespräch.

Januar 2009

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