In welcher Liga spielt Interlaken?

Die Erinnerung ist noch frisch: Im Streit um das Fliegerrennen im Sommer 2007 argumentierten die Befürworter mit der gewaltigen Werbewirkung, die sie sich für Interlaken von dem Anlass erhofften, und mit der vergleichsweise sehr geringen CO2-Menge, die er verursachte. MAN ERKLÄRTE, INTERLAKEN SPIELE MARKETINGMÄSSIG IN DER CHAMPIONS LEAGUE UND ALS UMWELTVERSCHMUTZER IN DER FÜNFTEN LIGA.

Der Gedankengang scheint überzeugend, ist aber leider falsch. Die Werbung für Interlaken und Red Bull richtete sich an all jene, die Interlaken als Touristen bei sich sehen möchte. Das sind insbesondere Kundinnen und Kunden aus wachsenden Märkten, die als besonders zukunftsträchtig gelten (Indien und China). Diese Märkte sind aber nicht zufälligerweise vor allem Länder, die sich unseren westlichen Lebensstil zum Vorbild nehmen und ihn so rasch wie möglich zu verwirklichen suchen. INTERLAKEN SPIELT ALSO NICHT NUR ALS VERANSTALTER IN DER CHAMPIONS LEAGUE, SONDERN AUCH ALS VORBILD.

Deshalb fällt die Art unseres Auftretens viel mehr ins Gewicht, als es die vergleichsweise harmlosen CO2-Mengen vermuten liessen, die hier produziert werden. OB WIR DAS WOLLEN ODER NICHT, IN DIE WERBUNG FÜR UNSERE TOURISMUSDESTINATION IST IMMER AUCH WERBUNG FÜR UNSEREN LEBENSSTIL MIT VERPACKT. So werben wir nie nur für unseren Ort, sondern immer auch für unsere Art des Umgangs mit Ressourcen und Umwelt. Konkret: Wir geben der Welt zu verstehen, dass wir auf nichts verzichten wollen, dass wir aber gern den anderen ein bisschen unter die Arme greifen, wenn sie verantwortlicher handeln möchten als wir. Diese Überlegungen gelten übrigens nicht nur für Interlaken, sondern für die ganze Schweiz. Der Physiker Dr. Rüdiger Paschotta hat vor einigen Monaten im Magazin "Energie & Umwelt" (Nr. 3/2007), herausgegeben von der Schweizerischen Energie-Stiftung, einen Artikel dazu veröffentlicht. Sein Text steht hier zum Download bereit.

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