Vier Gründe, dagegen zu sein

Was kann man gegen einen Anlass haben, von dem sich Interlaken eine nie dagewesene weltweite Medienpräsenz, mindestens Hunderttausend BesucherInnen und ausgebuchte Hotels erhofft und den der Veranstalter nach eigenen Aussagen umweltschonend und CO2-neutral durchführen will?


1) Die Wirtschaft muss wachsen und strebt dieses Wachstum gegenwärtig u.a. dadurch an, dass sie auf immer grössere Massenveranstaltungen setzt, die eine entsprechend hohe Mobilität (privat und mit ÖV) bedingen. Indem Interlaken in diesem Wettlauf um den grössten Anlass mitmacht, verspielt es die Chance, sich als Tourismusort zu profilieren, der auf Individualtourismus, Ruhe für Erholung Suchende und eine intakte Natur setzt. Das Air Race ist eine gigantische Werbeveranstaltung für die Firma Red Bull. Die Region Interlaken macht sich während einiger Tage zur Werbefläche für diese Firma und wirbt gleichzeitig weltweit für sich bei einem Massenpublikum, das hier eben gerade nicht Erholung, Ruhe und eine intakte Natur sucht. Das ist mittel- und langfristig kontraproduktiv.


2) Die Wirtschaft setzt gegenwärtig stark auf die Wachstumsbranche Fliegen. Mit den Red Bull Air Races will sie vor allem ein junges Publikum ansprechen, das für diese Branche besonders interessant ist. Der Schadstoffausstoss der beteiligten Flugzeuge mag zwar gering sein; aber die Auswirkungen auf das Freizeitverhalten von Millionen weltweit sind für die Umwelt katastrophal. Dass die bewillligenden Behörden der Region dieses Spiel ohne erkennbare Skrupel mitspielen, kann man nicht akzeptieren.


3) Der Anlass soll CO2-neutral durchgeführt werden. Nachdem das Wort "nachhaltig" in den letzten Jahren durch dauernden Missbrauch seine Glaubwürdigkeit verloren hat, will man jetzt CO2-neutral oder klimaneutral arbeiten. Nach dem Formel-1-Beschluss des Nationalrats vom 5. Juni werden wir in der Schweiz vielleicht in Zukunft CO2-neutrale Formel-1-Rennen haben. "CO2-neutral" heisst aber in Klartext übersetzt "klimaschädigend". Warum? Völlig unnötige CO2-Produktion bei uns soll durch Projekte in anderen Ländern kompensiert werden, die den CO2-Ausstoss dort verringern helfen. Wenn man auf dieses Nullsummenspiel setzt, gewinnt man für das Klima weltweit im besten Fall nichts. Man schädigt also das Klima bestenfalls weiter wie bisher. Es verändert sich nämlich in der CO2-Produktion weltweit nichts und in unserem Mobilitätsverhalten noch einmal nichts; und selbst die viel zu bescheidenen Kyoto-Ziele können mit CO2-neutralen Methoden weltweit nicht erreicht werden. Übrigens: Wie feinstaub- und ozonneutral ist dieser Anlass, der ausgerechnet in einer Zeit der hohen Feinstaub- und Ozonwerte durchgeführt wird?


4) Dieser Event ist das bisher krasseste Beispiel für die Praxis, die auf dem Flugplatz Interlaken seit vielen Jahren verfolgt wird: Man macht aus dem ehemaligen Militärflugplatz schrittweise einen Rummelplatz, auf dem immer mehr sehr grosse Veranstaltungen (einige davon ausserordentlich motorenlastig und damit umweltschädigend) stattfinden. Die Bevölkerung hat zu den Bewilligungen nichts zu sagen und wird - wenn überhaupt - erst informiert, wenn alle Entscheide schon gefällt sind.

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