"Diskutiert wird nicht"

An der Informationsveranstaltung zum Red Bull Air Race vom 14. Juni im Kursaal wurden die Anwesenden vom Interlakner Tourismusdirektor begrüsst, der gleich zu Beginn deutlich machte, dass an diesem Anlass nicht diskutiert, sondern informiert werde. Dann nahm der Abend seinen Lauf.


Dass über den Anlass diskutiert würde, hatte allerdings kaum jemand ernsthaft erwartet. Das wäre nämlich in der gut zehnjährigen Geschichte der Grossanlässe auf dem Flugplatz Interlaken das erste Mal gewesen. Für diesen Bereich gilt hier ganz allgemein der vom Tourismusdirektor zitierte Grundsatz: Diskutiert wird nicht.


Das ist die wichtigste Konstante im Zusammenhang mit diesen Grossanlässen: Diskutiert wird nie. Bevor VBS und lokale Behörden die Anlässe bewilligen, sind diese nämlich mehr oder weniger vertrauliche Traktanden und können unter dem Druck des Kollegialprinzips nicht öffentlich diskutiert werden. Nach der Bewilligung scheint eine Diskussion nur wenigen Leuten sinnvoll, da sich ja an der Bewilligung nichts mehr ändern lässt. Und nach der Durchführung beruhigen sich die erhitzten Gemüter jeweils rasch, und der Aerger der meisten ist wieder für ein Jahr verflogen.


Dieses Ablaufschema erklärt die erstaunliche Tatsache, dass der Flugplatz Interlaken ohne spürbaren Widerstand aus der Bevölkerung in kurzer Zeit zum Ort für häufig sehr umweltschädigende kleine und grosse Veranstaltungen umgewandelt werden konnte. So haben wir jetzt an der Peripherie von Interlaken einen Rummelplatz für Motorenbegeisterte, den vermutlich nur wenige wirklich wollten. Und wenn wir in dieser Entwicklung nicht auf die Bremse treten, haben wir bald schweizweit und weltweit ein Image, das vermutlich auch nur wenige wollten.


Der Tourismusdirektor hat übrigens am 14. Juni trotz alledem eine Diskussion über das Red Bull Air Race in Aussicht gestellt. Aber sie wird erst nach dem Anlass und im geschlossenen Kreis der Verantwortlichen als Bilanzgespräch geführt werden. Die bisher an Planung, Vorbereitung und Durchführung Beteiligten werden also unter sich bleiben, wenn die Frage diskutiert wird (wie es der Tourismusdirektor formulierte), ob man hier solche Anlässe durchführen kann - in Klartext übersetzt: ob man hier AUCH WEITERHIN solche Anlässe durchführen kann.


Der Verlauf der von Flugplatzinfos gestarteten Protestaktion und die Leserbriefe zum Red Bull Air Race zeigen, dass sich viele Leute offensichtlich eine ganz andere Diskussion wünschen: eine offene Diskussion über Sinn und Nutzen solcher Anlässe, und zwar bevor sie beschlossen und bewilligt sind. Das wäre eine Kursänderung, die Interlaken nach dem Red Bull Air Race dringend nötig hätte.

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